nunmehr wiesen und weidefläche
nunmehr wiesen und weidefläche
Der Text „nunmehr wiesen und weidefläche“ setzt sich mit dem Nicht-mehr-Vorhandensein eines historisch belasteten, allzu lang (großteils unreflektiert) genutzten Gebäudekomplexes in Schwaz auseinander: Ein schlichtes Mahnmal ist alles, was auf das ehemalige Zwangsarbeiterlager, das spätere Internierungslager, auf die Heimstatt für Aussiedler, auf die Notunterkunft für Obdachlose hinweist. Aus den Augen, aus dem Sinn – das galt nicht nur für die Jahrzehnte, in denen man sozial Abgehängte und von den Einheimischen Ausgegrenzte an diesem grauenvollen, gleichzeitig bequem weit vom Stadtzentrum entfernten Unort wohnen ließ, sondern auch für die Zeit nach dem Abriss der allerletzten Baracke. Was bleibt? Was soll bleiben? Was kann die Kunst dazu beitragen, denen gerecht zu werden, denen Unrecht widerfahren ist?
Die Tatsache, dass in den vergangenen Jahren und Monaten sehr viel an historischer, künstlerischer und gesellschaftlicher Auseinandersetzung mit dem Lager Oradour passiert ist, ermöglicht einen Zugang, der nicht dem Ans-Licht-Holen und dem Erklären verpflichtet ist, sondern dem Wirken und Bleiben. Der poetische Text setzt sich mit der Frage auseinander, wie Erinnerung und Gedenken der Nachgeborenen aussehen kann, wie die Schrecken der Gegenwart unsere Erinnerungskultur beeinflussen und was uns dazu bringen kann, uns tagtäglich für ein respektvolles Miteinander und für eine friedliche, helle Zukunft einzusetzen.